Kaninchen entwurmen – Anleitung & Kosten
Würmer sind bei Kaninchen selten, können aber vorkommen. Wichtig ist, dass du deine Kaninchen nicht bei einem Verdacht, sondern nur im nachgewiesenen Fall entwurmen solltest. In diesem Artikel findest du alle wichtigen Informationen über die verschiedenen Würmer, die bei Kaninchen vorkommen können, und erfährst, was eine Entwurmung beim Tierarzt kostet.
Ursachen, Risikofaktoren und Ansteckung mit Würmern bei Kaninchen
Kaninchen stecken sich mit Würmern entweder über kontaminiertes Futter oder bei der Körperpflege über infizierte Kotbestandteile an. Da sich Kaninchen durch die Blinddarmkotaufnahme auch bei anderen Artgenossen mehrfach anstecken können, gilt es, während und nach einem Wurmbefall auf eine gründliche und strikte Hygiene zu achten. Einige Kaninchen sind zudem besonders gefährdet: Tiere mit einem geschwächten Immunsystem, Kaninchen, die ohne ausreichenden Witterungsschutz draußen gehalten werden, sowie kranke oder gestresste Nager.
Darmparasiten bei Kaninchen: diese gibt es
Kaninchen können verschiedene Arten von Würmern bekommen – am häufigsten kommen die Madenwürmer vor. Madenwürmer: Madenwürmer – auch „Pfriemenschwänze“ genannt – sind die häufigste bei Wild- und Hauskaninchen vorkommende Wurmart. Sie siedeln sich im Dick- und Blinddarm an, legen ihre Eier am After ab, sodass es die Möglichkeit gibt, diese Würmer auch mit einem Tesa-Abklatsch zu diagnostizieren.
Magenwürmer: Rötliche Magenwürmer treten seltener und tendenziell eher bei Kaninchen in Außenhaltung auf, die Kontakt zu Wildkaninchen haben könnten. Diese Würmer siedeln sich, wie der Name verrät, überwiegend im Magen, aber auch im Dünndarm an.
Peitschenwürmer: Diese Wurmart benötigt eine sehr feuchte Umgebung, um sich optimal entwickeln zu können. Deshalb findet man sie vor allem auf Wiesen und in feuchten Freigehegen.
Saugwürmer: Saugwürmer kommen bei Kaninchen selten vor, können aber auch andere Säugetiere befallen. Sie weisen einen extrem kurzen Lebenszyklus auf und entwickeln sich binnen fünf Tagen. Bei einem intensiven Befall kommt es bei betroffenen Tieren zu einem schleimigen oder auch wässrigen Durchfall, Apathie oder auch Abmagerungen. Eine Infektion ist über kontaminierte Pflanzen, Ameisen und kontaminiertes Futter möglich, sodass vor allem Kaninchen im Außengehege betroffen sind. Mitunter entwickelt sich bei den betroffenen Tieren eine entzündete Leber oder Gallenblase.
Lungenwürmer: Lungenwürmer treten bei Kaninchen selten auf und verursachen teils schwere Atemwegsprobleme, sodass betroffene Kaninchen niesen, husten, röcheln oder sogar Atemnot bekommen. Weiterhin gehören Gewichtsverlust, vermehrtes Trinken und neurologische Veränderungen zu den Symptomen. Mit Lungenwürmern stecken sich Kaninchen durch den Kontakt mit infizierten Schnecken an.
Bandwürmer: Bandwürmer befallen vor allem den Dickdarm des Kaninchens.
Symptome: Wie sich Würmer bei Kaninchen bemerkbar machen
Mitunter deuten zunächst unspezifische Symptome auf einen Wurmbefall bei Kaninchen hin. Da sich Würmer den Nahrungsbrei des Verdauungssystems aneignen, verlieren manche Tiere rapide an Gewicht. Außerdem deuten Verdauungsprobleme wie Durchfall oder Verstopfung sowie stumpfes Fell oder Juckreiz am After auf einen Wurmbefall hin. Auch Blutarmut, Lähmungen und Aufgasungen können, müssen aber nicht auftreten.
Diagnose: Wie lässt sich ein Wurmbefall bei Kaninchen feststellen?
Ein Wurmbefall lässt sich ausschließlich über eine Kotprobe gesichert feststellen. Hierbei legt der Tierarzt eine Sammelkotprobe von mindestens drei Tagen an. Nach einem hochgradigen Befall, bei denen ganze Würmer ausgeschieden werden, ist außerdem eine Blickdiagnose ohne Kotprobe möglich. Kombiniert werden kann die Kotprobe bei bestimmten Wurmarten mit dem sogenannten Tesa-Abklatsch der Analregion. Weiterhin kann der Tierarzt eine körperliche Untersuchung durchführen und den Bauch des Kaninchens abtasten. Sollte dieser verhärtet sein und das Kaninchen Schmerzen haben, könnte eine Verstopfung oder auch eine Trommelsucht vorliegen.
Wurmkur bei Kaninchen
Als Wurmkur wird ein einfach zu verabreichendes Antiparasitikum bezeichnet, das die Würmer trotz Nahrungsbrei im Magen-Darm-Trakt verhungern lässt. Die abgestorbenen Würmer scheidet das Tier dann einfach mit dem Kot aus. Daneben gibt es auch Wurmkuren, welche die Parasiten lediglich lähmen, sodass diese einfach mit dem Kot abgehen. Oftmals reicht es schon aus, das Kaninchen einmal zu entwurmen, wobei es auch Fälle gibt, die eine intensivere Betreuung erforderlich machen. Es gibt Pasten für Wurmkuren, die gut verträglich sind und sich bei fast allen Wurmarten anwenden lassen. Diese Wurmkuren lassen sich problemlos mit dem Futter verabreichen, indem sie zum Beispiel mit Haferflocken oder zerdrückten Bananen gemischt werden. Andere Wurmkuren wiederum werden je nach Mittel unter die Haut gespritzt.
Würmer bei Kaninchen: Auch auf die Hygiene achten
Begleitend zur Kaninchen-Wurmkur musst du auf besondere Reinigungsmaßnahmen achten: Jegliche Kotbestandteile müssen aus Stall und Käfig entfernt werden. Außerdem solltest du das Gehege und auch das Spielzeug regelmäßig reinigen. Dafür eignen sich Desinfektionsmittel wie Capha Desclean, Neopredisan oder Interkokask sowie Hitzeeinwirkungen von mehr als 70 Grad Celsius für eine Dauer von mindestens 30 Minuten, beispielsweise mit dem Dampfreiniger. Waschbare Textilien wie Teppiche solltest du bei mindestens 90 Grad Celsius waschen und Futternäpfe und Tränke bei über 80 Grad auskochen. Falls deine Kaninchen im Außenbereich leben, solltest du die dort befindliche Erde mindestens fünf Zentimeter vom Boden abtragen, auswechseln und mit kochendem Wasser überbrühen.
Ernährung: Was dürfen Kaninchen mit Darmparasiten fressen?
Eine Diät mit Heu ist nicht zu empfehlen, da die Kaninchen durch die Würmer ohnehin viel Flüssigkeit verlieren. Um bei Kräften zu bleiben, benötigen sie jetzt viel Frischfutter. Gut eignet sich leichte Kost wie Kräuter, Salate oder auch Kürbiskerne.
Ist es sinnvoll, einem Wurmbefall vorzubeugen?
Einige Präparate und Futterpflanzen wirken sich positiv auf das Darmmilieu aus und lassen sich vorbeugend oder begleitend verabreichen. Dazu zählen unter anderem Kräutermischungen sowie bestimmte Futterpflanzen wie Kresse, Thymian, Beifuß, Knoblauch, Bärlauch, Schnittlauch, Heidelbeeren und weitere.
Zudem lässt sich ein Wurmbefall mit einigen einfachen Hygienemaßnahmen verhindern. So solltest du deinen Kaninchen beispielsweise kein Grünfutter von feuchten oder sumpfigen Wiesen, von Schafweiden oder auch von Flächen, auf denen Wildkaninchen, Hunde oder Katzen herumlaufen könnten, geben. Frisches Grünfutter solltest du vor der Fütterung immer gründlich waschen, um einer Ansteckung mit Würmern vorzubeugen.
Eine „richtige“ vorbeugende Wurmkur indes ist nicht sinnvoll, da die Wirkung lediglich zum Zeitpunkt der genauen Verabreichung besteht und prophylaktisch somit keinen Nutzen bringt. Weiterhin bestünde die Gefahr, dass sich Resistenzen entwickeln und die Medikamente im Akutfall dann nicht mehr richtig wirken würden. Zudem muss zunächst einmal konkret festgestellt werden, welche Wurmart überhaupt vorliegt, bevor mit einer Therapie begonnen werden kann. Aus diesem Grund sind prophylaktische Entwurmungsmittel in Ländern wie Italien, Dänemark, Finnland und Schweden sogar verboten.
Wie gefährlich sind Darmparasiten bei Kaninchen?
Da Würmer meistens nur leichte Symptome verursachen, haben betroffene Kaninchen in der Mehrzahl der Fälle eine gute Prognose, sofern sie zeitnah tierärztlich mit einem Anti-Wurmmittel behandelt werden. Bei geschwächten Tieren oder auch Jungtieren besteht wiederum ein erhöhtes Risiko für Komplikationen wie schwerwiegende Entzündungen, Darmverschluss oder Trommelsucht. Daher ist es wichtig, die betroffenen Kaninchen auch während einer Wurmkur engmaschig betreuen zu lassen. So oder so erfordert ein Wurmbefall immer eine Behandlung beim Tierarzt, da die Parasiten auch bei geringen oder fehlenden Beschwerden den Verdauungstrakt der Nager schädigen.
Zudem sind die infektiösen Kotausscheidungen für andere Artgenossen hochansteckend, sodass bei einem befallenen Tier zeitnah eine Entwurmung durchgeführt werden sollte. Ob diese erfolgreich war, sollte der Tierarzt nach einigen Wochen mit einer erneuten Kontrollkotprobe überprüfen.
Fazit: Wurmbefall bei Kaninchen
Ein Wurmbefall kann bei Wildkaninchen und Hauskaninchen gleichermaßen vorkommen, wobei freilebende Kaninchen und Tiere in Außenhaltung ein höheres Ansteckungsrisiko haben. Zu den häufigsten Wurmarten bei Kaninchen gehören Fadenwürmer, Magenwürmer und Bandwürmer, die sich vom Nahrungsbrei im Verdauungstrakt ernähren.
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