Vergesellschaftung von Kaninchen – was gilt es zu beachten?
Kaninchen gehören zu den beliebtesten Haustieren, sollten allerdings nicht alleine gehalten werden. Sie benötigen soziale Kontakte zu ihren Artgenossen, um ein erfülltes Leben zu haben. Umso wichtiger ist die sogenannte Vergesellschaftung, bei der es darum geht, noch fremde Kaninchen schrittweise aneinander zu gewöhnen. Was du dabei beachten solltest und wie du am besten vorgehst, erfährst du hier.
Warum muss man Kaninchen überhaupt zusammenführen?
Es ist allgemein bekannt, dass Kaninchen Gruppentiere sind, die soziale Kontakte brauchen und daher mindestens mit einem weiteren Artgenossen zusammenleben sollten. Auch im Falle eines toten Tieres sollte es in absehbarer Zeit eine neue Vergesellschaftung geben, damit sich das Kaninchen nicht einsam fühlt. Allerdings ist eine Vergesellschaftung von Kaninchen nicht immer einfach. Du kannst die Nager nicht einfach mit anderen Tieren zusammensetzen und das Beste hoffen. Denn die Tiere haben ein komplexes Sozialgefüge und eine Hierarchie untereinander, die du als Halter oder Halterin unbedingt beachten solltest. Gehe die Vergesellschaftung daher immer nach „Kaninchenart“ an, um schlimme Streitigkeiten wie Revierkämpfe grundsätzlich zu verhindern.
Zusammenführung von Kaninchen: Wer mit wem?
Bei der Frage, welche Kaninchen man zusammenführen kann, gibt es eindeutige Empfehlungen. Gleichgeschlechtliche Konstellationen sind nicht unbedingt empfehlenswert, da vor allem unkastrierte Böcke zu aggressiven Verhaltensweisen neigen und sogar Halterinnen und Halter angreifen können. Auch mehrere weibliche Kaninchen können, sofern sie die Geschlechtsreife durchlaufen haben, feindselig miteinander umgehen. Daher lautet die übliche Vorgehensweise immer: mehrere weibliche Kaninchen mit mindestens einem kastrierten Bock halten.
Was die Rassen angeht, gibt es zwar keine eindeutigen Regeln, was du tun oder lassen solltest. Allerdings macht es schon aufgrund der unterschiedlichen Kräfteverhältnisse Sinn, gleich große Tiere einer oder ähnlicher Rassen miteinander zu vergesellschaften. Hingegen sollten die „Wesenszüge“ der Tiere möglichst unterschiedlich sein, denn zwei dominante Böcke werden sich das Leben untereinander nicht unbedingt leicht machen. Falls du erstmals Kaninchen vergesellschaftest, kannst du Wurfgeschwister bevorzugen oder eine Mutter mit ihrem Nachwuchs wählen.
Alte Kaninchen vergesellschaften – geht das?
Es ist prinzipiell möglich, ältere Tiere noch zu vergesellschaften. Das sollte nur nicht unbedingt mit „Jungspunden“ passieren, die naturgemäß eher lebhaft und verspielt sind und die Senioren wahrscheinlich zu sehr auf Trab halten würden.
Vergesellschaftung deiner Kaninchen: Tipps für eine gute Vorbereitung
Nimm dir viel Zeit dafür, wenn es darum geht, deine Kaninchen zu vergesellschaften. Dieser Prozess kann Tage, wenn nicht sogar Wochen dauern. Vielleicht kannst du die Zusammenführung an einem langen Wochenende oder im Urlaub in Ruhe angehen.
Für den Fall der Fälle solltest du dir die Notrufnummer deines Tierarztes notieren und alles Wichtige für deine Kaninchenapotheke besorgen.
Alle Kaninchen, die zusammengeführt werden sollen, sollten geimpft und kastriert sein. Sollte ein einzelnes Tier in eine Gruppe kommen, gilt es, eine mindestens zweiwöchige Quarantänezeit vor der Vergesellschaftung einzuhalten, damit bei den Alteingesessenen keine Krankheitserreger in Umlauf kommen. Rammler dürfen erst sechs Wochen, nachdem sie kastriert wurden, mit unkastrierten Weibchen zusammengeführt werden.
Einige Zusammenführungen gehen schief, weil die Halter und Halterinnen aufgeregt und nervös sind. Schließlich sieht es niemand gerne, wenn das eigene Kaninchen gestresst ist. Du musst allerdings stark bleiben und darfst nur im Notfall eingreifen – dann am besten mit Handschuhen, um Verletzungen bei dir selbst zu verhindern. Strahle auch in brenzligen Situationen Ruhe aus, denn deine Tiere spüren es, wenn du unruhig bist, sodass sich deine Stimmung auf sie überträgt.
Führe deine Kaninchen nur zusammen, wenn sie gesund sind und sich in einer guten Allgemeinverfassung befinden. Kranke Tiere solltest du grundsätzlich nicht vergesellschaften, sondern abwarten, bis sie wieder gesund sind.
Vor der Zusammenführung sollten sich die Tiere für einen Zeitraum von mindestens drei Wochen nicht gegenseitig sehen oder riechen dürfen. Vermeide es daher auch, dass sich die Kaninchen etwa durch Gitterstäbe sehen können. Sollte diese Regel nicht befolgt werden, kann es sein, dass die Kaninchen frustriert und aggressiv werden, weil sie sich wahrnehmen, aber nicht zueinander gelangen können.
Während die Vergesellschaftung in Gange ist, sollten die Kaninchen ständig – auch nachts – beieinanderbleiben. Falls die Tiere in dieser Zeit getrennt werden, muss die komplette Vergesellschaftung anschließend von vorn beginnen. Es gibt wiederum auch Tierärzte, die empfehlen, die Kaninchen nicht dauerhaft, sondern jeden Tag für eine begrenzte Zeit im neutralen Gehege zusammenzubringen und die Dauer der Kaninchen-Vergesellschaftung langsam zu steigern. Hierbei verlängert sich jedoch die Dauer der Vergesellschaftung auf möglicherweise bis zu sechs Wochen.
Bedenke aber auch, dass sich nicht jedes Kaninchen mit allen Artgenossen versteht. Ähnlich wie bei uns Menschen gibt es Tiere, die trotz aller Versuche nicht miteinander harmonieren – dies gilt es zu respektieren. Sollte das der Fall sein, ist es schon im Vorfeld hilfreich, einen Plan B für das jeweilige Tier zu haben.
Auch für den Ort der Zusammenführung musst du gewisse Vorkehrungen treffen. Grundsätzlich sollte die Zusammenführung immer auf neutralem Boden stattfinden. Keines der Kaninchen darf den Bereich vorher betreten oder sogar sein Eigen nennen, da die Zusammenführung ansonsten in Revierkämpfen enden würde. Ein guter Ort wäre beispielsweise das gereinigte Badezimmer, das du vorher noch „kaninchensicher“ machst, indem du die Gefahrenquellen beseitigst. Auch Garagen, Keller oder Dachböden sind geeignet, sofern sie kaninchensicher und nicht allzu dreckig sind. Falls partout kein neutraler Ort zur Verfügung steht, dann sollte der Bereich, in dem die Zusammenführung stattfinden soll, dennoch unbekannt sein. Auch ein kleiner, leerer Pool in den eigenen vier Wänden kann ein neutraler Grund und Boden sein, sofern die Kaninchen ihn nicht kennen.
Für jedes Tier solltest du ausreichend Platz einplanen. Erstrebenswert sind mindestens zwei bis drei Quadratmeter pro Kaninchen, da die Tiere während der Vergesellschaftung nur diese Fläche zum Auslauf zur Verfügung haben und sich im Getümmel auch mal zurückziehen müssen. Im Zweifelsfall gilt: Je mehr Platz, desto besser. Du solltest aber auch bedenken, dass ein großes Platzangebot auch eine längere Vergesellschaftung nach sich zieht. Im Zweifelsfall solltest du die Bedürfnisse deiner Kaninchen aber immer über deine stellen. Denn die Tiere brauchen ihre Rückzugsorte und – ebenso wie wir Menschen es tun würden – einfach eine gewisse Zeit, um sich einander zu gewöhnen, ohne zu etwas gezwungen zu werden. Nur auf diese Weise entstehen am Ende authentische und langfristige Bindungen der Tiere zueinander.
Was die Einrichtung angeht, sollte jedes Tier während der Vergesellschaftung mehrere Versteckmöglichkeiten bekommen. Pappkartons, Tunnel oder auch große Häuschen eignen sich ideal, damit sich die Tiere notfalls auch mal aus dem Weg gehen können und sich niemand in die Enge getrieben fühlt. Außerdem solltest du Frischfutter, Heu- und Wasserrationen großzügig im gesamten Gehege verteilen, damit die Tiere ungestört – gemeinsam oder auch getrennt – fressen können. Achte weiterhin auf einen rutschfesten Untergrund, damit die Nager beim gegenseitigen Jagen weder ausrutschen, noch ängstlich und unsicher werden. Zudem benötigt jedes Kaninchen seine eigene Toilette.
Ablauf der Vergesellschaftung von Kaninchen: Das kannst du erwarten
Der Ablauf der Vergesellschaftung lässt sich folgendermaßen beschreiben: Du setzt alle Kaninchen, die an der Zusammenführung beteiligt sein sollen, gleichzeitig in das dafür vorgesehene Gehege. Idealerweise passiert dies mittags, da die Nager zu dieser Tageszeit meistens ruhiger und weniger aktiv sind. Von der Jahreszeit her bietet sich der Winter an, da die Hormone dann weniger eine Rolle spielen.
Im Gehege werden deine Kaninchen schon nach kurzer Zeit aufeinander zugehen und die Rangordnung unter sich klären – entweder im harmonischen Miteinander, oder auch weniger harmonisch, indem sie einander jagen, beißen, zwicken, sich das Fell ausreißen, plötzlich in die Höhe springen, klopfen, stampfen oder ihr Revier markieren. Lass dich von diesen Verhaltensweisen bitte nicht beirren, denn auch wenn es etwas rauer zugeht, gibt es für dich keinen Grund, ins Geschehen einzugreifen.
Sowohl Männchen, als auch Weibchen offenbaren hier ihre Dominanz, das ist vollkommen normal und kein Grund zur Besorgnis. Sobald ein Tier bereit ist, sich zu unterwerfen, wird es den Kopf flach auf den Boden legen und sich vom dominanten Part „berammeln“ oder putzen lassen.
Kritisch wird es erst, wenn sich zwei oder mehr Tiere ineinander verbeißen und sich nicht mehr loslassen. Dann und nur dann, wenn sie ein Knäuel bilden und nicht voneinander ablassen, solltest du die Kaninchen vorübergehend voneinander trennen und auf Wunden untersuchen. Sofern keine vorhanden sind, kann die Vergesellschaftung nach einer kurzen Unterbrechung bedenkenlos fortgeführt werden.
Wann sollte eine Zusammenführung der Kaninchen besser abgebrochen werden?
Eine Vergesellschaftung der Kaninchen solltest du nur dann abbrechen, wenn eines oder mehrere Tiere blutige Verletzungen am Körper aufweisen – ausgerissenes Fell und kleine Bisswunden fallen ausdrücklich nicht darunter, denn sie gehören zur Vergesellschaftung leider dazu. Vermeide jegliche unnötige Trennungen, die eine erneute Vergesellschaftung nach sich ziehen. Streichele und rede im Zweifelsfall abwechselnd mit deinen Kaninchen – das hilft ihnen auch dabei, die Gerüche der anderen Tiere aufzunehmen. Aber logisch: Sofern ein Tier wirklich ernsthaft verletzt ist, muss die Vergesellschaftung mit diesem Kaninchen unterbrochen werden und es sollte zu einem Tierarzt, der sich um die weitere Versorgung kümmert. Dann obliegt es auch dem Mediziner zu entscheiden, wann eine erneute Vergesellschaftung überhaupt erfolgen darf, jedoch solltest du frühestens nach zwei Wochen einen neuen Versuch unternehmen.
Den Versuch, mehrere Kaninchen zusammenzubringen, solltest du auch dann abbrechen, wenn ein Tier dauerhaft über mehrere Tage oder Wochen hinweg quasi ununterbrochen von den anderen gejagt wird und sich daraufhin ängstlich zeigt. Das kann ein deutlicher Hinweis darauf sein, dass die Konstellation nicht funktioniert. Trenne dieses Kaninchen dann bitte von der Gruppe und führe eine erneute Vergesellschaftung mit einem gegengeschlechtlichen Partnertier durch – das harmoniert meistens gut. Auch bei apathisch wirkenden Tieren, die weder normal fressen, noch aktiv an der Vergesellschaftung teilnehmen und sich extrem zurückziehen, kann es sinnvoll sein, die Zusammenführung abzubrechen und diesem ein anderes, gegengeschlechtliches Tier mit ähnlichem Charakter zur Seite zu stellen.
Dauer, um Kaninchen zu vergesellschaften: Wann ist die Zusammenführung abgeschlossen?
Wie lange eine Vergesellschaftung dauert, ist individuell verschieden und hängt davon ab, wie schnell sich die Kaninchen aneinander gewöhnen und ihre Rangordnung klären. Von einer erfolgreich geglückten Zusammenführung kannst du erst dann sprechen, wenn alle Kaninchen in entspannter Atmosphäre miteinander leben, gemeinsam in der Gruppe fressen und sich gegenseitig putzen. Falls es hin und wieder immer noch Zickereien und kleinere Jagden gibt, tut das nichts zur Sache. Wichtig ist, dass die Grundstimmung eindeutig positiver Natur ist und mindestens mehrere Tage anhält. Erst dann sollten die Kaninchen in das gemeinsame Gehege umziehen.
Damit sich die Bindung festigen kann, sollten sie mindestens zwei Wochen am Ort der Vergesellschaftung bleiben. Sei dir außerdem darüber bewusst, dass Tiere, die einen niedrigeren Rang haben, unter Umständen nach etwa 14 Tagen nochmal versuchen, an der Rangordnung doch noch etwas zu ändern. Es ist also ganz normal, dass sich die Tiere möglicherweise nochmal jagen, obwohl sie vorher friedlich miteinander waren. Rechne bei einer unproblematischen Zusammenführung eines „Pärchens“ ungefähr mit einer Dauer von sieben bis zehn Tagen, bei Dreiergruppen zwei bis fünf Tage länger. Bei einer größeren Gruppe dauert das Zusammenführen mehrere Wochen.
Wie vergesellschaftet man Kaninchen mit einem Handicap?
Eine abgewandelte Vorgehensweise der Vergesellschaftung ist bei Tieren, die eine Einschränkung wie Taubheit oder Blindheit haben, empfehlenswert. In diesem Fall sollte die Zusammenführung mit einem passenden Partnertier immer im Revier des Kaninchens mit Handicap durchgeführt werden. Alternativ kannst du das gehandicapte Tier zuerst im Vergesellschaftungsgehege absetzen, damit es sich bereits orientieren kann.
Fazit: Kaninchen vergesellschaften
Es kann aus verschiedenen Gründen notwendig sein, Kaninchen zu vergesellschaften. Sei es, um eine neue Gruppe zu bilden, als auch, um ein verstorbenes Partnertier für ein alteingesessenes Kaninchen zu ersetzen. Plane die Zusammenführung auf neutralen Boden, sodass keine Revierkämpfe entstehen, und halte aus Sicherheitsgründen eine Quarantänezeit von mindestens 14 Tagen ein. Setze die Kaninchen anschließend auf neutralem Boden zeitgleich zusammen und beobachte sie in den ersten Stunden. Meist erreicht die Vergesellschaftung nach 12 bis 24 Stunden ihren Höhepunkt, sodass die Tiere dann aneinandergeraten und ihre Rangordnung klären.
Greife nur im Notfall bei ernsthaften Verletzungen, die nicht aus Versehen entstanden, sondern systematischer Natur sind, ein. Sobald die Kaninchen friedlich und ohne Kabbeleien miteinander leben, gemeinsam fressen und sich putzen, ist die Zusammenführung geglückt. Es gibt aber auch Tiere, die einfach nicht miteinander können – das ist kein Weltuntergang, sie brauchen schlichtweg nur ein anderes Partnertier. Wichtig ist, dass du dich in Geduld übst, bei der Vergesellschaftung nicht bzw. nur im absoluten Notfall eingreifst und die Tiere nicht zu früh in das Endgehege zurücksetzt. Wenn du diese Richtlinien beachtest und umsetzt, dann steht einer erfolgreichen Zusammenführung deiner Mümmler nichts mehr im Weg.

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