Krankheiten bei Kaninchen erkennen und behandeln
Ebenso wie wir Menschen können Kaninchen krank werden. Nicht immer sind Krankheiten bei Kaninchen sofort auffällig. Es gibt auch kleine „Anzeichen“ wie veränderte Fress- und Trinkgewohnheiten, die signalisieren, dass etwas nicht stimmt. Deshalb ist es wichtig, die Tiere genau zu beobachten und bei Auffälligkeiten zeitnah den Tierarzt aufzusuchen. Doch welche Krankheiten gibt es bei Kaninchen überhaupt? Wir stellen dir die häufigsten davon vor, zeigen, wie du sie richtig erkennst, und erklären, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.
Symptome für Krankheiten bei Kaninchen: Woran merke ich, dass es meinem Tier schlecht geht?
In freier Wildbahn können es sich diese Beutetiere nicht leisten, als schwach erkannt zu werden. Daher leiden sie leider oftmals still vor sich hin, obwohl es ihnen sehr schlecht geht. Darum ist es so wichtig, bei Kaninchen genau hinzuschauen! Schon kleinste Krankheitsanzeichen solltest du daher sehr ernst nehmen und umgehend einen Tierarzt aufsuchen, der sich mit Kleintieren wie Kaninchen auskennt. Die nachfolgenden Symptome weisen auf eine akute, mitunter schwerwiegende Erkrankung hin:
Kaninchen verpasst die Fütterung
freiwilliger Verzicht auf Freilauf
Apathie
schlapper oder schlaffer Körper
Zutraulichkeit, obwohl das Kaninchen sonst scheu ist
keine Reaktion auf äußere Reize
harter oder aufgeblähter Bauch
plötzliche Gewichtsabnahme
starkes Speicheln
kahle, wunde oder schorfige Stellen am Fell
blasse Schleimhäute
tränende, geschwollene, trübe, empfindliche oder gerötete Augen
plötzlich verhärtete Knubbel am Körper
verklebte oder laufende Nase
Kot- oder Urinveränderungen
Zähneknirschen
Anfälle, Krämpfe, Lähmungen
auffällige Atmung
schlechter Allgemeinzustand
Soll ich ein krankes Kaninchen von seinen Artgenossen trennen?
Fälschlicherweise raten manche Tierärzte dazu, kranke Tiere von anderen abzusondern. Abgesehen von hochansteckenden Krankheiten wie RHD oder Myxomatose ist es nicht sinnvoll, ein krankes Kaninchen aus der Gruppe zu nehmen, da es ein „Rudeltier“ ist und durch diese Maßnahme zusätzlich geschwächt werden würde! Zudem bedeutet die „Wiedervergesellschaftung“ des Kaninchens erheblichen Stress, da Paare oder Gruppen es nicht gewohnt sind, voneinander getrennt zu leben. Weiterhin kannst du davon ausgehen, dass sich ansteckende Krankheiten meist eh schon in der Gruppe verbreitet haben, wenn sie bekannt werden – eine Isolation ist somit gar nicht mehr zielführend.
Können sich Kaninchenkrankheiten auch auf Menschen übertragen?
Krankheiten bei Kaninchen sind nur in sehr seltenen Fällen gefährlich für Menschen. Das trifft beispielsweise auf die „Enzephalitozoonose“ oder auch „Schiefkopf“-Erkrankung zu. Du solltest deshalb immer auf Nummer sicher gehen und gewisse Hygienemaßnahmen im Umgang mit kranken Kaninchen einhalten. Wasche dir nach dem Streicheln immer die Hände, nimm ein krankes Tier nicht mit in dein Bett und lasse dein Tier regelmäßig beim Tierarzt untersuchen.
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Häufige Krankheiten bei Kaninchen
Entzündungen, Fliegenmaden oder auch Zahnprobleme: Einige Erkrankungen kommen bei Kaninchen häufig vor. Je nachdem, welche Ursache dahintersteht, lassen sich die Erkrankungen auf unterschiedliche Weise behandeln.
Abszess
Ein Abszess bezeichnet eine schmerzhafte Schwellung, die oftmals im Kopf-, Kiefer- oder Genitalbereich auftritt. Häufig entsteht sie durch genetische Veranlagung, Bissverletzungen, Zahnfehlstellungen, scharfkantige Gegenstände oder Mangelernährung. Hier solltest du dringend handeln, da es vorkommen kann, dass betroffene Kaninchen die Nahrungsaufnahme komplett einstellen. Insbesondere eitrige Abszesse sind gefährlich, da sie je nach Schweregrad eine lebensbedrohliche Blutvergiftung auslösen können.
Augenerkrankungen
Kaninchen können unterschiedliche Augenerkrankungen bekommen, etwa eine Bindehautentzündung, Hornhautgeschwüre, Glaukome und andere. Im Gegensatz zu anderen Krankheiten bei Kaninchen sind hier die Symptome schnell und eindeutig erkennbar: geschwollene, gerötete Augen mit oder ohne Tränenfluss sowie Schmerzen. Je nachdem, welche Augenerkrankung dein Kaninchen hat, sind Operationen, entzündungshemmende Mittel oder Antibiotika die Therapien der Wahl.
Chinaseuche (RHD) bei Kaninchen
Die Chinaseuche, die auch unter dem Namen „Rabbit Haemorrhagic Disease“ bekannt ist, wird durch das Calicivirus übertragen. Diese sehr schwere Krankheit löst bei Kaninchen zunächst Symptome wie Apathie und Appetitlosigkeit aus. Rund 70 bis 80 Prozent der betroffenen Tiere sterben in nur wenigen Tagen. Die gute Nachricht ist, dass es eine Impfung gegen die Chinaseuche für Kaninchen gibt. Sehr junge Kaninchen, die ein Lebensalter von acht Wochen noch nicht erreicht haben, sind nicht betroffen. Es gibt allerdings scheinbar auch einen veränderten „RHD“-Stamm, an dem auch Jungtiere verzögert erkranken und versterben können.
Krebserkrankungen
Auch Kaninchen können Tumore bekommen – häufig erst im fortgeschrittenen Alter. Weit verbreitet ist Gebärmutterkrebs bei unkastrierten Weibchen. Aber auch Leber-, Nieren- oder Lymphknotentumore treten auf. Je nach Art, Lokalisation und Stadium des Tumors variieren die Behandlungsmöglichkeiten zwischen einer Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie. Um Gebärmutterkrebs vorzubeugen, solltest du deine Kaninchen kastrieren lassen.
Schnupfen/ Erkältung
Von dem Kaninchenschnupfen spricht man bei einer laufenden Nase, wenn Kaninchen niesen oder gar Atemnot bekommen. Häufige Auslöser neben der Ansteckung bei den Artgenossen sind Zugluft, Stress oder eine mangelnde Hygiene. Aber auch das Bakterium „Pasteurella multocida“ kann die Infektion auslösen, die von Kaninchen zu Kaninchen übertragbar ist. Glücklicherweise lässt sich ein Kaninchenschnupfen, der rechtzeitig erkannt wird, gut mit Antibiotika behandeln. Dennoch solltest du einen Kaninchenschnupfen nicht auf die leichte Schulter nehmen, da er eine Lungenentzündung verursachen kann.
Myxomatose
Bei der „Myxomatose“ handelt es sich um die hochansteckende „Kaninchenpest“, die sich beispielsweise durch Bindehautentzündungen, Atemnot, eitrige Absonderungen oder auch Hautverdickungen zeigt. Man unterscheidet eine akute und plötzlich einsetzende sowie eine schleichende Verlaufsform. Vor Erregern, die durch Insekten wie Flöhe oder Mücken, von Tier zu Tier oder durch verunreinigtes Futter übertragen werden, bietet eine Impfung einen zuverlässigen Schutz. Jedoch wird die Immunität erst rund drei Wochen nach der Impfung erreicht und hält ungefähr ein halbes bis ganzes Jahr. Ungeimpft sterben die meisten Haus- oder Wildkaninchen an dieser Erkrankung, nur wenige überleben dank einer intensiven tiermedizinischen Behandlung, doch eine „klassische“ Therapie gibt es nicht. Für andere Haustiere wie Katzen, Hunde oder auch für Menschen ist diese Erkrankung nicht gefährlich.
Entzündungen
Entzündungen können bei Kaninchen wie bei uns Menschen an allen möglichen Körperstellen auftreten. Häufig sind die Ohren betroffen, also das Innen-, Mittel- oder auch das äußere Ohr. Ein Anzeichen für eine Ohrenentzündung ist, wenn sich dein Kaninchen häufig am Ohr kratzt, den Kopf schiefhält und verkrustete oder blutige Stellen am Ohr hat. Bei einer Ohrenentzündung helfen Ohrreinigung, Schmerzmittel oder auch Antibiotika.
Harngrieß und Harnsteine
Harngrieß und Harnsteine verursachen bei Kaninchen eindeutige Symptome. Typisch sind trüber Urin mit sandigen Sedimenten oder auch blutiger Urin. Sofern der Urinabsatz eingeschränkt ist, handelt es sich um einen schwerwiegenden medizinischen Notfall, der umgehend behandelt werden muss!
Parasiten
Kaninchen können auch von Parasiten befallen sein. Ein einzelliger Erreger namens „Encephalitozoon cuniculi“ kann die Encephalitozoonose auslösen. Sie geht mit schweren neurologischen Ausfällen, Lähmungen und Koordinationsstörungen einher. Ohne schnelle Behandlung verläuft sie meist tödlich. Die Erkrankung ist nicht vollständig heilbar, da der Erreger im Körper verbleibt. Mit einer schnellen, intensiven tiermedizinischen Therapie können betroffene Tiere jedoch stabilisiert werden und phasenweise beschwerdefrei leben. Es kann passieren, dass die Erkrankung dann in „Schüben“ verläuft, die aber durch eine tiermedizinische Behandlung kontrollierbar sind, sodass das Wohlbefinden der Kaninchen dennoch erhalten bleibt.
Nisten sich Parasiten im Darm ein, so können sie die sogenannte „Kokzidiose“ auslösen. Dort richten sie besonders bei Jungtieren und immungeschwächten Kaninchen erheblichen Schaden an. Somit äußert sich die Erkrankung etwa durch eine Gewichtsabnahme, durch wässrig-blutige Durchfälle oder auch durch Matt- und Teilnahmslosigkeit. Die „Kokzidiose“ kann auch die Leber befallen – hier sind die Symptome nicht eindeutig, sodass die Krankheit häufig erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt wird und bereits schwere Leberschäden verursacht hat.
Weitere, lästige Parasiten im weiteren Sinne sind Fliegenmaden, die kleinere oder auch größere Wunden befallen. Sie schlüpfen aus Eiern und dringen anschließend in die Haut der Kaninchen ein. Um Fliegenmaden vorzubeugen, solltest du vor allem in den heißen Sommermonaten die Analregion der Kaninchen sauber halten und regelmäßig auf Eiablage kontrollieren.
Trommelsucht
Die Trommelsucht hat viele Namen – „Blähsucht“, „Aufgasung“ oder auch „Tympanie“. Kennzeichnend sind ein aufgeblähter Bauch und eine gestörte Nahrungsaufnahme. Die schwerwiegende Erkrankung des Magen-Darm-Trakts kann in kurzer Zeit tödlich verlaufen, sodass die Erkrankung ein absoluter Notfall ist. Zeigt dein Kaninchen keinen Appetit, hat es einen aufgeblähten Bauch oder knirscht mit den Zähnen, musst du sofort zum Tierarzt. Die Erstbehandlung erfolgt ausschließlich durch den Tierarzt mithilfe von Medikamenten, Schmerzmitteln und Flüssigkeitszufuhr, um die lebensgefährliche Blockadf zu lösen.
Verdauungsstörungen
Kaninchen können ebenfalls von Verdauungsstörungen betroffen sein. Sehr häufig kommt bei Kaninchen Durchfall vor. Diesen erkennst du an weichem, breiigem Kot, der unter Umständen auch blutig sein kann. Durchfall kann ganz verschiedene Ursachen haben – harmlose wie eine Futterunverträglichkeit, aber auch schwere wie Infektionskrankheiten oder Vergiftungen. Hält der Durchfall länger als einige Stunden an, solltest du auf jeden Fall tierärztliche Hilfe suchen.
Es kann außerdem passieren, dass die Verdauung der Kaninchen vollständig zum Erliegen kommt. In dem Fall spricht man von einer „gastrointestinalen Stase“, die zu einem Darmverschluss führen und somit akut lebensbedrohlich sein kann. Symptomatisch äußert sich die Erkrankung durch einen aufgebähten Bauch, Appetitlosigkeit, einen ausbleibenden Kotabsatz und ein Rückzugsverhalten des Kaninchens.
Vergiftungen
Durch Fremdkörper oder auch den Verzehr von giftigen Pflanzen oder toxischen Lebensmitteln können Kaninchen Vergiftungserscheinungen bekommen. Bei einer akuten Vergiftung zeigen die Tiere schwerwiegende Symptome wie starken Speichelfluss, Blutungen, Atemnot, neurologische Ausfälle, Krämpfe oder auch Apathie. Eine Vergiftung ist ein Notfall, sodass deine Kaninchen sofort in tiermedizinische Behandlung gehören.
Zahnprobleme
Zahnprobleme sind bei Kaninchen weit verbreitet. Das hängt damit zusammen, dass ihre Beißer ihr Leben lang wachsen – zwar können sie ihre Zähne durch Nagen oder Kauen abwetzen, dies kann aber aufgrund von Fehlstellung oder einer falschen Ernährung eingeschränkt sein. Tritt eine Zahnfehlstellung auf, so wachsen die Zähne unkontrolliert, werden immer länger und können Verletzungen auslösen. Schlimmstenfalls fressen Kaninchen mit Zahnproblemen nichts mehr, verlieren an Gewicht und speicheln stark. Solltest du Auffälligkeiten an den Zähnen deiner Kaninchen feststellen, so solltest du zu einem Besuch beim Tierarzt vorbeischauen. Insbesondere bei einer akuten Nahrungsverweigerung ist ein unmittelbarer Tierarztbesuch zwingend erforderlich, da dies für die Tiere schnell lebensbedrohlich werden kann.
Fazit: Krankheiten bei Kaninchen
Kaninchen gelten als pflegeleichte und niedliche Haustiere, die jedoch auch von Krankheiten befallen sein können. Zu den lebensbedrohlichen und tödlichsten Erkrankungen zählen die sogenannte Chinaseuche oder auch Myxomatose, gegen die jeweils Impfstoffe existieren. Andere Erkrankungen wie die „Trommelsucht“ lassen sich nicht durch Impfstoffe vorbeugen, doch bei einer rechtzeitigen Diagnose gut therapieren. Da Kaninchen als Beutetiere ihre Schmerzen instinktiv verbergen, ist deine aufmerksam beobachtende Rolle als Halter oder Halterin entscheidend. Sollten sie Verhaltensauffälligkeiten zeigen, etwa Gewicht verlieren, ungewohnt viel oder wenig fressen und trinken, apathisch sein oder sogar Schmerzenslaute ausstoßen, dann solltest du unbedingt sofort den Tierarzt aufsuchen. Daneben sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen wichtig – sie sorgen dafür, dass manche Krankheiten bei deinen Kaninchen gar nicht erst entstehen.
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